Im Gegensatz zu den Vorjahren, in denen unser Turnier jeweils nach der Saison
stattfand, hatten wir uns in diesem Jahr entschlossen, statt eines
Trainingslagers das Turnier, für das wiederum dankenswerterweise der Ensdorfer
Bürgermeister Thomas Hartz die Schirmherrschaft übernahm, in die Vorbereitungszeit
der neuen Saison zu legen. Dass dies sowohl quantitativ als auch qualitativ zur
Folge hatte, dass wir sportlich das bislang beste Turnier der Vereinsgeschichte
durchführen durften, hatten wir in den kühnsten Träumen nicht gedacht. So zeigte
es sich aber schon im Vorfeld, dass das Interesse trotz der eine Woche zuvor gespielten
Wiesental-Open, einem der größten Turniere in der deutschen Squashszene, ungemein
hoch war. Schon schnell war die 30-Spieler-Grenze erreicht und unser Sportwart
Jürgen musste schon vorab eine Warteliste einrichten. Auch bei den Hobbyspielern,
die sonntags ihre Rackets kreuzten, war mit 15 Teilnehmern eine stattliche Anzahl
erreicht.
Im Startgeld, das die Spieler entrichteten, war neben einer Vereinszeitung
ein
farbenfrohes orangenes T-Shirt unseres Vereins von unserem Vereinsmitglied Andre
enthalten, das so glänzte, dass es ohne Probleme als Leuchtkleidung für nächtliche
Autopannen dienen könnte, sowie ein Essengutschein für die Zeit nach den Spielen.
Der Reiz der für Ligaspieler als eintägiges Saarlandranglisten-Turnier ausgeschriebenen
Sportveranstaltung in unserer schmucken Anlage "Relax" von Andrea und Volker Röttgerding
war die Tatsache, dass sich schon frühzeitig Mitglieder der Luxemburger Nationalmannschaft
der Frauen und Männer ankündigten, die das Turnier als sportliche Vorbereitung
für die neue Saison nutzen wollten. Mit drei Damen und sechs Herren, darunter
dem Trainer der Luxemburger, dem ehemaligen neuseeländischen Nationalspieler Nathan
Sneyd, stellten unsere Nachbarn mehr als 1/4 des Teilnehmerfeldes. Aufgefüllt
wurde das Feld durch etliche Regionalligaspieler der Südwestliga sowie Spieler
der Oberliga Rheinland-Pfalz-Saar und der Verbandsliga Saar.
Auch
sieben Spieler unseres Squashclubs nahmen teil. Alle waren heiß darauf, den von
Sportministerin Annegret Kramp-Karrenbauer gestifteten Pokal in nachfußballweltmeisterlich
gebotenem Schwarzrotgold und das für unsere Verhältnisse recht üppige Preisgeld
mit nach Hause nehmen zu können.
Die fast unglaubliche Internationalität wurde noch gesteigert durch die Teilnahme eines Mexikaners (Nicolas Carillo aus Kaiserslautern), einer Spanierin (Isabel Juan) sowie dreier Franzosen aus Heidenkopf. Und bei den Luxemburgern nahmen auch zwei Engländer teil, oder waren es aus England zwei Luxemburger? Egal, jedenfalls hatte die Spielleitung neben den üblichen organisatorischen Aufgaben noch sprachliche Schwierigkeiten zu bewältigen, die sich aber, wenn auch nicht mit Bravour, aber dennoch derart lösten, dass babylonische Auswüchse ausblieben.
Zu nachtschlafener Zeit um 9:30 Uhr trafen die ersten noch müden Krieger in
der Anlage ein. Unser zweiter Sportwart Thomas dachte sich wegen der Vielzahl
der Spiele und der lediglich drei Squashcourts (Volker, wie wäre es, den
Fitnessbereich
zu schließen und 10 Courts zu bauen ??) ein ausgeklügeltes Spielsystem aus, das
einerseits wichtige Elemente des so genannten Hannover-Systems enthielt, dies
aber andererseits mit einem KO-System verknüpfte, damit nicht um Mitternacht noch
einige Spieler in den Courts stehen mussten. In den ersten beiden Runden setzten
sich überwiegend die Favoriten durch, wobei lediglich der schon bundesligaerfahrene
Thorsten Schmees aus Wiesental Pech hatte und auf das Supertalent der Luxemburger,
den erst fünfzehnjährigen Daniel Hutchins traf und gegen diesen knapp verlor.
Das System von Finanzprofi Thomas sah nach den ersten beiden Runden eine dreifache KO-Runde vor. In der unteren Gruppe befanden sich acht Spieler, die die ersten beiden Spiele verloren hatten. In dieser Gruppe waren auch die drei Damen vertreten, die sich in der Vorrunde zwar wacker schlugen, jedoch lediglich knapp einen Sieg verpassten. Neben Claudia Mich waren dies die ehemalige Saarbrücker Bundesligaspielerin, die Spanierin Isabel Juan, sowie die Nummer 2 der Luxemburger Nationalmannschaft Francoise Donven. In dieser unteren Gruppe bestritten Peter Ries aus Heidenkopf und Francoise das spannende Finale, das nur denkbar knapp an den Senior aus dem Saarland ging, der sich mit Schnelligkeit gegen das technisch raffinierte und spielerisch variable Spiel der lustigen Luxemburgerin durchsetzte.
In der mittleren, 16-köpfigen KO-Gruppe befanden sich auch fünf Spieler aus
unserem Club. Für das dortige Halbfinale qualifizierten sich der Linkshänder aus
Heidenkopf Rainer Bender, der für Luxemburg spielende Engländer Daniel Kaiser,
Thorsten Schmees, der in dieser Runde sehr knappe Spiele gegen das Laufwunder
Stefan Alt und den erfahrenen Frank Skrownek hatte, und besagter Frank aus Heidenkopf.
Dass sich Rainer und Frank den Sieg in diesem mittleren Feld teilten, lag daran,
dass beide völlig platt und deshalb kaum in der Lage waren, die Rackets erneut
in Schulterhöhe zu halten.
Unter den besten Acht des Turniers waren neben vier Luxemburgern, darunter
auch Marc Thrill, unsere Nummer 1, auch deren Trainer Nathan Sneyd, der schon
den ersten beiden Spielen andeutete, welche Klasse er besitzt. Aus heimischen
Gefilden setzten sich neben unserem Roland Laures auch unser Freund, alljährlicher
Teilnehmer und Allesmacher aus Idar-Oberstein Michael Roller sowie das Talent
aus Illingen Andreas Janto durch. Roland gelang sogar der Einzug ins Halbfinale,
wo dann aber Schluss war. Der Trainer der Luxemburger war doch eine Nummer zu
groß für unseren Roland, der sich derzeit in einer ausgezeichneten Form befindet.
Im anderen Halbfinale trafen die Teamkollegen aus Luxemburg Stephane Ayache und
Neil Woodger aufeinander. In einem
hochklassigen Spiel setzte sich Stephane in zwei Sätzen durch. Das kleine Finale
um Platz 3 bestritten Roland und Neil und Roland war doch zu müde, um noch einmal
sein Potenzial abzurufen. Das Finale zwischen Neil und dem Neuseeländer Nathan
brachte Squashport auf absolutem internationalem Niveau. Nach spektakulären Ballwechseln
siegte der mit Abstand beste Squasher des Turniers Nathan deutlich in zwei Sätzen
und nahm von unserem Präsidenten Frank die Siegerpreise entgegen. Frank hatte
dabei etwas Stress, denn die Namen der drei männlichen Sieger und der Siegerin
des Damenfelds waren für unsere deutsche Sprache doch etwas kompliziert, aber
Frank meisterte dies mit Bad Oeynhausener Charme. Und um auf die Sprachprobleme
zurückzukommen: Roland, der sehr häufig beruflich in England ist, erklärte sich
dankenswerterweise spontan bereit, für Nathan den perfekten Übersetzer zu geben.
Noch kurz zu unseren Spielern: wie bereits erwähnt, befand sich niemand im
unteren Viertel und dies war schon ein Erfolg. Jürgen und Gerhard erreichten in dieser mittleren k.o.-Runde sogar den zweiten Durchgang. Gerhard besiegte in diesem Feld Christoph Chiavazzo, einen Franzosen, der in der neuen Saison für Heidenkopf startet, deutlich und im ewigen Duell der beiden Saarlouiser Sportsfreunde Jürgen und Kurt setzte sich mal wieder Jürgen durch, obwohl dieser im zweiten Satz arg ins Straucheln geriet und sich Kurt, der gegen den späteren Sieger Nathan eine kostenlose Trainerstunde bekam und anschließend gegen Francoise alles geben musste, um zu gewinnen, nach einem 8:1-Rückstand noch bis zu 8:7 heran kämpfte, dann aber doch dem Besseren und Jüngeren den Sieg überlassen musste. Neben Kurt scheiterten in dieser ersten Runde des mittleren Feldes auch noch Oliver, der zuvor die Spanierin Isabel besiegen konnte, an dem Luxemburger Marcel Kramer, und Stefan Oelpke in seinem ersten Turnier für uns, der Frank aus Heidenkopf in einem heißen Match denkbar knapp mit 1:2 unterlag. Noch etwas zu Stefan: er hat etwas Rekordverdächtiges zu Stande gebracht, denn in seinen Spielen gingen insgesamt drei Schläger zu Bruch. Herzlichen Glückwunsch diesbezüglich! Frank bezwang in der folgenden Runde auch Gerhard, der sich tapfer wehrte, und Jürgen scheiterte relativ knapp an dem späteren Finalisten in dieser Runde Rainer Bender.
Zu erwähnen ist noch, dass unser Freund Michael Roller gegen seinen neuen Mannschaftskameraden Dani Hutchins nach begeisterndem Spiel knapp die Segel streichen musste und sich damit die Setzliste aus Idar-Oberstein als zutreffend erwies. Um kurz nach 19:00 Uhr war das Finale beendet und nach der Siegerehrung konnten die Spieler die Nudeln mit Gulasch nebst Salat, die Andrea und Volker schmackhaft zubereitet hatten, genießen. Und nach etlichen mehr oder weniger alkoholischen Getränken war dann das schönste Vereins-Turnier der Geschichte in Teil I, dem Ligafeld, beendet.
Sonntags ging es dann für die Organisatoren etwas gemütlicher zu, denn ein
Turnier für 15 Hobbyspieler ist etwas leichter zu handhaben als das
Mammutturnier
am Tag zuvor, zumal noch ein Spieler absagte. Die Hobbyspieler wurden nicht verschont,
denn die Spielleitung sah für jeden eine üppige Anzahl von Spielen vor. Der sonntägliche
Spielleiter Roland kannte keine Gnade. Bei den Herren war der Einlauf wie in den
Jahren zuvor. Der Nur-Vorhand-Spieler Reimund Seidel siegte mit seinem temporeichen
Spiel gegen Christian Brachmann. Und Dritter wurde - ebenfalls wie 2005 - Peter
Masion. Unsere beiden Clubmitglieder, die aber noch keine Ligaspieler sind, Markus
Burg und Volker Röttgerding schlugen sich wacker, wobei Volker das Kunststück
fertig brachte, sein Spiel gegen den ehemaligen Beckinger Hannes Maes nach jeweilig
deutlicher Satzführung insgesamt mit 8:9,8:9 und 8:9 zu verlieren. Bei den Mädels
ging es ungemein knapp zu. Alle Spiele mussten über drei Sätze ausgetragen werden
und die etwas erfahrenere Silke Thurat gewann vor der kraftvollen Nicole Henne
und dem Fliegengewicht Daniela Marz, die mit ungemeiner Schnelligkeit und Laufbereitschaft
überzeugte.
Es bleibt nicht aus, dass am Ende eines solchen Berichts eine Danksagung stehen muss und es ist auch ein Bedürfnis, dies zu tun. Manchmal etwas holprig, dennoch insgesamt erfolgreich griffen die Räder der Organisation ineinander. Angefangen vom Besorgen der Pokale, Fertigung der Turnierzeitung nebst vielen kleinen Werbeanzeigen, die letztlich das finanzielle Risiko minimierten, über die Bestellung der T-Shirts, Austüfteln der Spielpläne, Kommunikation mit Spielern, Vereinsmitgliedern, Hallenbetreibern und Verband bis zu der Spielleitung an den Tagen des Turniers und der tollen Bewirtung sowie an diesen Tagen kostenloser Nutzung der Courts sei seitens unseres Vereins Dank gesagt: zunächst an Volker und Andrea für die tolle Atmosphäre in der sehr schönen Anlage RELAX in Ensdorf, in der nicht nur wir uns wohl fühlen, weiter an Jürgen und Thomas für die sportliche Organisation des reibungslos gelaufenen Turniers und das Funktionieren des Spielplans, an unseren leider derzeit verletzten Präsidenten Frank für die computermäßige Aufarbeitung der Zeitung und die Organisation der Shirts sowie die Hilfe bei der Spielleitung und die perfekte Siegerehrung, an unseren Kassenwart Helmut, der nach erheblichen technischen Schwierigkeiten Kurts beim versuchten Spiralbinden der Zeitungen kurzfristig in einer Nacht- und Nebelaktion einsprang und mit seiner bewährten Leimmaschine die Fertigstellung unserer Zeitung sicherte, bei Roland und Rüdiger für das Engagement am Sonntag sowie bei den vielen kleinen und großen Sponsoren unseres Vereins, ohne die auch die letzte Bastion des Squashsports im westlichen Saarland nicht mehr bestehen könnte. Dank auch an die Sportministerin des Saarlandes und den Bürgermeister von Ensdorf für die Pokale. All diesen und auch denen, die ich wegen altersbedingter Vergesslichkeit nicht erwähnt habe, gilt unser und mein persönlicher Dank.
Verfasser: Kurt Rauch / Sept. 2006