Da unser Club in der glücklichen Lage ist, etliche neue Spieler für die Spieltage aufbieten zu können und insbesondere im Jugendbereich Spielerinnen und Spieler hinzukamen, hat sich der Vorstand nach langer und teilweise auch kontroverser Diskussion durchgerungen, in dieser Saison zwei Mannschaften an den Start zu schicken. Während die erste Mannschaft mit Oliver Müller einen alten Bekannten und eine hervorragende Verstärkung zu einer Rückkehr bewegen konnte, wurde die zweite Mannschaft komplett neu aufgestellt. Eine Mischung von Routine und Jugend soll insbesondere dafür sorgen, dass einerseits die routinierten Spieler im Spielbetrieb bleiben, andererseits die Schüler und Studenten erste Erfahrungen in der Squashliga sammeln.
Als
wir dann gelesen hatten, welche Teams in der Verbandsliga antreten, war schon
von vorneherein klar, dass die zweite Mannschaft eher im unteren Bereich angesiedelt
sein dürfte. Am ersten Spieltag hatte das Team I spielfrei und das Team
II musste gleich eine weite Reise antreten, nämlich in die Südpfalz
nach Bornheim in die dortige schmucke Sportanlage mit neun Squashcourts und
jeder Menge anderer Spielstätten für eine Vielzahl anderer Sportarten.
Günstig ist insoweit für den dortigen Club, dass der Spielführer
Christoph Müller auch Eigentümer der Anlage ist und schon damit
ist garantiert, dass der Squashsport in dem schönen Dörfchen in
der Nähe von Landau auch wettkampfmäßig überleben wird.
Also
reiste man, begleitet vom derzeit Sportinvaliden Kurt als Coach, Schiri-Helfer
und – s.u. - Mediator, mit drei Saarländern und einem Nachbarn
aus der Pfalz, nämlich unserem Senior Karl, bei allerschönstem Herbstwetter
in die Südpfalz, um sich so teuer wie möglich zu verkaufen. Weitere
Gegner waren die Spieler von Idar-Oberstein II, die ebenfalls eine Mischung
von Alt und Jung aufbieten konnten.
Das
erste Match mussten die Spieler gegen Idar-Oberstein bestreiten. Unser Student
Joe mit dem Wunderschläger, den er seinem Schwiegervater abgeluchst hatte,
hatte dabei nicht nur gegen seinen routinierten und fröhlichen Gegner
Dietmar Geyer zu kämpfen, sondern auch mit einer sichtbaren Nervosität,
welche in Anbetracht der Tatsache, dass dies sein erster Wettkampf war, ohne
weiteres nachvollziehbar ist. Im Laufe des Spiels konnte Joe seine Nervosität
etwas ablegen und teilweise offene Ballwechsel spielen, musste aber auch anerkennen,
dass der routinierte Dietmar ihm trotz „wohlwollenden Spiels“
keine Chance ließ. Immerhin gelangen Joe einige Punkte in jedem Satz,
so dass sein Einstand als durchaus gelungen bezeichnet werden kann. Jedenfalls
kämpfte er unverdrossen um jeden einzelnen Punkt. Dennoch verlor er in
drei Sätzen relativ deutlich.
Das
zweite Spiel war das der Jugendlichen. Auf Seite von Idar-Oberstein trat der
siebzehnjährige Alexander Hiery an, der schon etliche Ligaerfahrung hat
und mit einer Körpergröße von fast 1,90 m über eine ausgeprägte
Reichweite verfügt. Auf unserer Seite war das Motto: Südwest-Deutschland
sucht das Supertalent, das Gott sei Dank in unserem Verein spielt und Marius
Röttgerding heißt. Der 14-jährige Blondschopf sah gegenüber
seinem Gegner zwar etwas klein und schmächtig aus, was Marius aber in
diesem heiß umkämpften Match bot, war allererster Klasse. Marius
hat regelmäßig mit den Ligaspielen trainiert und kann mittlerweile
ohne Weiteres nicht nur mit unseren Stammspielern, sondern auch mit den anderen
Ligaspielern mithalten. Es entwickelten sich offene Sätze, lange Ballwechsel,
technische Raffinessen auf beiden Seiten und geniale Spielzüge von zwei
Jugendlichen, die im südwestdeutschen Raum Ihresgleichen suchen. Dass
letztlich Alexander in drei Sätzen relativ knapp gewann, war auch der
eben erwähnten Reichweite geschuldet, mit der er das Spiel sehr schnell
machen konnte. Technisch waren beide ohne weiteres ebenbürtig und der
kämpferische Einsatz von Marius war vorbildlich. Schade, dass es nicht
zu mehr gereicht hat.
Auf
den Positionen 1 und 2 waren dann die Oldies gefordert. Markus als Spielführer
hatte auf Position 2 das Urgestein von Idar-Oberstein Stefan Messerschmidt
zum Gegner und dementsprechend trotz großen körperlichen Einsatzes
keine Chance gegen den technisch und taktisch versierten Stefan. Markus enttäuschte
nicht, konnte aber nachvollziehbarer Weise keinen Satz für sich entscheiden.
Vom Ergebnis her nicht besser ging es unserem Seniorenspieler Karl, der noch
vor kurzem bei den Senioren-Weltmeisterschaften in Portugal antrat, in dem
ruhigen und gelassenen Robert Yaghoubi aus Idar-Oberstein aber seinen Meister
fand. Der ungemein sympathische Robert spielt sein unorthodoxes Volley-und
Boast-Spiel gnadenlos herunter, hat ein Gefühl in seiner Hand, um das
ihn viele Squasher beneiden und, der Autor dieser Zeilen weiß es aus
eigener leidvoller Erfahrung, sein Spiel ist nicht zu lesen. Auch Karl hatte
diese Probleme, kam nicht richtig ins Spiel und Robert machte die Gewinn bringenden
Punkte. Auch Karl gelang trotz seines unglaublichen technischen Vermögens
kein Satzgewinn und die Höchststrafe war mit einem 4:0 ohne eigenen Satzgewinn
perfekt.
Im
letzten Spiel ging es dann gegen die Gastgeber, wobei anzumerken ist, dass
das Verhältnis der Bornheimer Squasher zu Karl, gelinde gesagt, nicht
von einer wunderbaren Freundschaft geprägt ist. Karl, der am Samstag
die Ruhe in Person war, spielte einige Zeit in diesem Verein und man trennte
sich nicht gerade herzlich, wobei die Gründe diesbezüglich nicht
dargestellt werden sollen oder können. Für den Coach unseres Clubs,
der mitgereist ist, war es allerdings teilweise befremdlich zu sehen, welche
kuriosen Diskussionen zwischen den Bornheimern und unseren Spielern bzw. dem
Verfasser dieser Zeilen geführt werden mussten. Auch hier ein Lob an
Marius: trotz angebotener tätiger Hilfe beim Schiedsen brauchte er diese
nicht; er kam in seinem ersten, schwer zu leitenden Spiel als Schiedsrichter
mit den beiden Streithähnen in dem Court derart souverän klar, dass
man meinte, man habe einen routinierten Familienvater als Schiedsrichter vor
dem Court sitzen. Was die Aversionen angeht: an dieser Stelle sei angeregt,
wenigstens bei Ligaspielen nicht nur von den Worten her das Kriegsbeil zu
begraben, sondern dies auch tätig und souverän zu begleiten. Nach
einigen Gesprächen allerdings konnten sich die Gastgeber doch etwas beruhigen
und man war in der Lage, den Spieltag, konkret auch das Spiel gegen Bornheim,
anständig und fair über die Bühne zu bringen.
Zum
sportlichen Bereich: Joe musste gegen den laufstarken Riku Knüvner antreten
und zeigte sich doch gegenüber dem ersten Spiel verbessert. Ihm gelangen
bessere Bälle, weniger Fehler, was aber nicht ausreichte, um den Spieler
der Gastgeber in Verlegenheit zu bringen. Auch hier gewann unser Gegner klar
und deutlich in drei Sätzen. Das Spiel von Marius gegen den routinierten
und mit Oberligaerfahrung versehenen Klaus Deris war sehenswert. Wer zunächst
meinte, Klaus müsse nicht seine volle Leistungsstärke abrufen, sah
sich im Verlauf des Spiels schnell getäuscht. Marius ließ sich
durch nichts aus der Ruhe bringen, auch nicht durch Diskussionen des motivierten
Klaus, zog sein Spiel mit einer unglaublichen Konzentration durch und brachte
den Routinier mächtig ins Schwitzen. Nur kleinere Ungenauigkeiten führten
dazu, dass Marius keinen Satz gewinnen konnte, er aber dennoch in allen Sätzen
bis zum Ende mithielt. Das Punktverhältnis von 35:28 für den Gastgeber
spricht Bände und zeigt, wie knapp dieses Spiel war. Der Schreiber dieser
Zeilen ist noch immer fasziniert davon, mit welcher Abgeklärtheit Marius
diese seine ersten beiden Spiele durchzog und welches spielerische und taktische
Potenzial in ihm steckt. Insoweit auch an Volker, den Vater von Marius, der
seine Sportgene umfangreich an seinen Filius weitergegeben hat, einen schönen
Gruß. Du und Andrea können mächtig stolz sein; ich war es
auch am Samstag!
Torben
Reuter hieß der Gegner von Markus und das Muskelpaket aus Bornheim kannte
mit seinem druckvollen und geradlinigen Spiel keine Gnade. Markus wehrte sich
wiederum mit großem Einsatz, konnte aber den Sturm und Drang des gestählten
Bornheimers nicht bremsen, der in drei deutlichen Sätzen klar gewann.
Das mit Brisanz erwartete Spiel zwischen Christoph Müller und Karl auf
der Position 1 musste leider ausfallen, weil Karl sich im Spiel zuvor gegen
Ende eine leichte Oberschenkelzerrung zugezogen hatte und daher verletzungsbedingt
nicht antreten konnte. Wer weiß, wofür dies gut war.....
Fazit: zwar hat sich vom Ergebnis her die Reise in die Südpfalz nicht rentiert, allerdings war es gut zu sehen, wie sich Joe und vor allem Marius in den ersten Ligaspielen zurecht gefunden haben und in der Mischung mit dem einen oder anderen routinierteren Spieler dürfte es möglich sein, am Ende der Saison nicht das Tabellenende zu zieren. Die Prognose sei erlaubt, dass alle diese Spieler im Laufe der Saison für die eine oder andere Überraschung gut sein werden.
Verfasser: Kurt Rauch / 27.September 2011